#MSCloudkicker

In den letzten Monaten, bzw. schon mehr als ein Jahr, haben mich Microsoft MVPs immer wieder auf dasselbe Thema angesprochen. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern immer öfter. Die Frage war fast immer dieselbe: „Warum bist du eigentlich noch kein MVP?“

Meine Antwort war ehrlich: „Weil ich dafür wahrscheinlich noch nicht genug mache.“ Oder anders gesagt: „Es gibt so viele großartige Leute in der Community. Neben denen wirke ich doch eher klein.“

Das Problem an dieser Aussage: Ich wusste es gar nicht. Ich hatte nie festgehalten, was ich eigentlich den ganzen Tag in der Community mache.

Side note: MVP = Microsoft Most Valuable Professionals
Personen die für ihre technische Expertise und ihren positiven, unentgeltlichen Einfluss auf die Community ausgezeichnet werden. Die Auszeichnung bekommen sie in ein, oder zwei Kategorien in denen sie den größten Einfluss haben.

Die MVP Community hat mich schon immer fasziniert

Beeindruckt hat mich an der MVP Community nie der Titel, sondern die Menschen. Leute, die Wissen teilen, Vorträge halten, Communities aufbauen, andere unterstützen, Dokumentationen schreiben, Fragen beantworten und neue Technologien erklären. Menschen, die oft viel mehr investieren, als auf LinkedIn jemals sichtbar wird.

Genau deshalb war ich schon immer gerne Teil von Communitys, als Microsoft Certified Trainer, Community Lead, Speaker, Organisator und Moderator. Nicht, weil ich irgendwann MVP werden wollte, sondern weil mir Lernen und Wissensvermittlung einfach Spaß machen.

Die Idee war eigentlich ganz einfach

Wenn andere MVPs glauben, dass ich einer Nominierung näher bin als ich selbst denke, warum überprüfe ich das dann nicht? Dafür bräuchte ich aber etwas, das man für eine spätere Nominierung ohnehin braucht: eine Dokumentation meiner Aktivitäten.

Also fragte ich mich, warum ich nicht meine drei Leidenschaften verbinde: Lernen, Community und Microsoft 365 Copilot. An diesem Punkt entstand die Idee, gemeinsam mit Copilot in SharePoint eine Liste für meine Aktivitäten aufzubauen.

Die erste Version war viel zu kompliziert

Wer mich kennt, ich denke gerne komplex, aber immer in Lösungen. Mein erster Gedanke war also: Wenn ich schon eine Liste baue, dann richtig. Daher entstanden folgende Spalten als Idee:

SpalteTyp
TitelText
DatumDatum
KategorieChoice
SubkategorieChoice
AktivitätstypChoice
ThemaChoice
URLHyperlink
ViewsZahl
ReaktionenZahl
KommentareZahl
TeilnehmerZahl
Nachweis vorhandenJa/Nein
Screenshot LinkHyperlink
StundenaufwandZahl
Impact ScoreZahl
MVP YearZahl

Die Auswahlmöglichkeiten zeige ich euch jetzt mal nicht, die würden den Blog unleserlich lang machen.

Kurz gesagt: Ich wollte eine perfekte MVP-Datenbank. Von Beginn an. Das Problem: Ich hätte sie nie gepflegt.

Copilot hat mich zum Nachdenken gezwungen

Statt weiter Felder zu ergänzen, habe ich Copilot gefragt: Welche Informationen brauche ich wirklich?

Die Antwort war überraschend simpel. Eigentlich wollte ich nur vier Dinge wissen: Was habe ich erstellt, wann habe ich es veröffentlicht, wo finde ich es wieder und für welchen Themenbereich war es gedacht?

Also habe ich die Liste radikal reduziert. Übrig blieben zunächst nur wenige Felder: Titel, Asset Typ, MVP Track, Veröffentlichungsdatum, URL und Kurzbeschreibung. Mehr nicht.

Hier der Prompt für die Anpassung der Liste, nachdem ich mit Titel, Status, Asset Type und MVP Track begonnen hatte:

Erweitere diese bestehende Liste für die Dokumentation meiner Community- und MVP-Beiträge.

Vorhandene Spalten:
- Titel
- Status
- Asset Typ
- MVP Track

Ergänze folgende zusätzliche Spalten:
### Veröffentlichungsdatum
Typ: Datum
Beschreibung:
Datum der Veröffentlichung oder Durchführung.
---
### URL
Typ: Hyperlink
Beschreibung:
Link zur ursprünglichen Veröffentlichung, beispielsweise Blogartikel, LinkedIn Beitrag, GitHub Repository, YouTube Video oder Podcast.
---
### Kurzbeschreibung
Typ: Mehrzeiliger Text
Beschreibung:
Kurze Zusammenfassung des Inhalts oder Beitrags.
---
### Zielgruppe
Typ: Auswahl
Werte:
- Endanwender
- Fachabteilung
- Management
- IT Pro
- Entwickler
- Security
- Compliance
- Trainer
---
### Sprache
Typ: Auswahl
Werte:
- Deutsch
- Englisch
- Deutsch und Englisch
---
### MVP Relevant
Typ: Ja/Nein
Standardwert: Ja
Beschreibung:
Kennzeichnet, ob der Beitrag grundsätzlich für eine MVP-Einreichung geeignet ist.
---
Aktiviere Anlagen für die Liste.
Die Anlagen sollen verwendet werden für:
- Screenshots
- Slides
- Whitepaper
- Handouts
- Nachweise
- Grafiken

Erstelle zusätzlich folgende Ansichten:
- Alle Assets
- M365 Copilot
- Copilot Extensibility
- Microsoft Purview
- MVP Relevant

Die Liste soll möglichst einfach bleiben und primär der Sammlung von Nachweisen für eine spätere Microsoft MVP Bewerbung dienen.

Die erste Überraschung kam bei den Inhalten

Irgendwann fing ich an, bestehende Beiträge einzupflegen: Blogs, LinkedIn Beiträge, LinkedIn Artikel, Community Sessions, Podcasts und Events. Und plötzlich wurde die Liste länger. Und länger. Und länger.

Nicht, weil ich auf einmal mehr gearbeitet hätte, sondern weil mir zum ersten Mal sichtbar wurde, wie viel über das Jahr verteilt tatsächlich zusammenkommt. Am Ende standen schon über vierzig dokumentierte Assets in der Liste.

Die zweite Überraschung war noch spannender

An diesem Punkt nutzte ich Copilot nicht mehr zum Erstellen der Liste, sondern um sie zu analysieren. Ein Prompt war sinngemäß: Analysiere alle Einträge und identifiziere gemeinsame Themen.

Ich rechnete mit einer zufälligen Sammlung von Beiträgen. Es kam anders.

Plötzlich wurden Storys sichtbar

Copilot erkannte Muster, die mir selbst nie aufgefallen waren.

Da war zum einen das Thema Copilot und Daten. Datensicherheit, Datenzugriff, Berechtigungen, Datenschutz, Flex Routing, Subprozessoren. Beiträge wie Was macht M365 Copilot mit meinen Daten?, Claude in Microsoft 365 Copilot: Mehr KI-Power, mehr Verantwortung oder Microsoft Copilot Flex Routing: Was Unternehmen jetzt wissen und aktiv entscheiden müssen drehten sich immer wieder um Datenzugriff, Datenschutz, Routing-Entscheidungen und die Frage, wie Unternehmen die Kontrolle über ihre Daten behalten. Ich hatte nie bewusst beschlossen, daraus eine Serie zu machen. Aber genau das war passiert.

Ein zweiter Block drehte sich um Copilot Governance: AI Act, Governance, Agenten, Compliance und organisatorische Verantwortung. Beiträge wie Microsoft 365 Copilot Wave 3: Was der Agentic Shift für deine Governance bedeutet, Warum KI in Unternehmen oft falsch eingesetzt wird und wie wir Arbeit wirklich neu denken sollten oder Microsoft Copilot Flex Routing beschäftigten sich mit Governance, organisatorischer Verantwortung, Compliance und der Frage, wie Unternehmen den Einsatz von KI sinnvoll steuern können. Auch das war keine geplante Serie, sondern einfach das, was mich fachlich beschäftigt.

Und dann kam noch Purview und Data Governance dazu: Purview, Data Governance, Informationsschutz, Compliance.Beiträge wie Data Governance Basics – Microsoft Purview im Überblick oder verschiedene Artikel rund um Copilot, Datenschutz und Governance zeigten immer wieder dieselben Themen: Data Governance, Informationsschutz, Compliance und die verantwortungsvolle Nutzung von Unternehmensdaten. Plötzlich wurde klar: Die Beiträge waren gar keine isolierten Einzelstücke. Sie erzählten längst eine zusammenhängende Geschichte.

Die größte Erkenntnis

Bis dahin dachte ich, die Frage laute: Habe ich genügend Beiträge? Copilot half mir zu erkennen, dass die eigentliche Frage eine andere ist: Welche Geschichte erzählen meine Beiträge?

Das ist ein gewaltiger Unterschied. Denn am Ende interessiert niemanden, ob ich 25 oder 30 lose LinkedIn Beiträge veröffentlicht habe. Es zählt vielmehr, wofür ich stehe, welche Themen ich besetze und was ich der Community bringe.

Dann wurde es noch interessanter

Irgendwann fragte ich Copilot: Ordne die Einträge nicht nach Themen, sondern nach meinem Community-Beitrag. Und plötzlich entstanden neue Kategorien: Original Content, Speaking, Training, Community Leadership, Event Organisation und Podcast.

Das war der Moment, in dem ich erkannte: Meine Geschichte besteht nicht nur aus Content.
Und Copilot in SharePoint hat mir dabei geholfen neue Spalten hinzuzufügen und die Zelle dieser Spalte für die schon vorhandenen Listeneinträge sinnvoll zu befüllen.

Die Liste hatte einen blinden Fleck

Sie zeigte Blogs, LinkedIn und Artikel. Aber sie zeigte noch nicht SmartCloud 365, meine Rolle als MCT Community Lead, die Organisation des MCT DACH Community Meetup, Moderationen, Workshops und die Community-Arbeit hinter den Kulissen. Aber auch mein erster Speaker Auftritt bei Easy Way 365 dieses Jahr, von denen noch viele folgen werden, sofern ich nicht die Call for Speaker verpenne 🙂

Also genau die Dinge, die andere MVPs immer wieder erwähnt hatten. Nicht einzelne Blogartikel, sondern kontinuierliche Arbeit für die Community.

Copilot war dabei nicht perfekt

Und das ist vielleicht die wichtigste Botschaft aus diesem ganzen Projekt. Auf Social Media sieht es oft so aus, als würde man einen Prompt schreiben und sofort eine perfekte Lösung bekommen. Meine Erfahrung war eine völlig andere. Und ich arbeite wirklich viel mit KI und Microsoft 365 Tools. Ich lerne jeden Tag dazu, würde aber behaupten da ist schon sehr viel hinter.

Es gab Umwege, Fehlversuche, schlechte Ideen, technische Fehler und Sackgassen. Mehrfach musste ich Strukturen wieder vereinfachen, mehrfach musste ich Copilot korrigieren, mehrfach habe ich festgestellt: Der erste Entwurf war nicht gut genug. Und genau das war völlig in Ordnung.

Das gilt nicht nur für SharePoint

Irgendwann wurde mir klar: Die Liste selbst war gar nicht das eigentliche Ergebnis. Das eigentliche Ergebnis war die Erkenntnis, dass gute Lösungen fast nie perfekt beginnen.

Das gilt für Vorträge, Communities, Blogs, Workshops und Governance-Konzepte. Und eben auch für SharePoint-Listen. Alles entsteht über Iteration. Schritt für Schritt, Verbesserung für Verbesserung.

Und das erinnerte mich an einen Satz der lieben Amelia, die ich sehr schätze.
Sie sagte bei dem MCT DACH Meetup bei einem ihrer Vorträge: Du musst einfach anfangen 🙂

Erkenntnis

Die interessanteste Erkenntnis aus diesem Projekt war nicht, wie man mit Copilot eine SharePoint-Liste baut. Sie war diese: Manchmal sieht die Community etwas in dir, bevor du es selbst siehst.

Andere MVPs haben mich immer wieder gefragt, warum ich mich nicht nominieren lasse. Meine spontane Antwort war meistens: „Ich mache dafür wahrscheinlich noch nicht genug.“ Erst als ich anfing, meine Aktivitäten sichtbar zu machen, habe ich gemerkt, dass die wichtigere Frage vielleicht lautet: „Warum glaube ich eigentlich, dass ich zu wenig mache?“

Ob daraus irgendwann wirklich eine MVP-Nominierung wird, weiß ich nicht. Aber eines weiß ich inzwischen sicher: Die Kombination aus Lernen, Community und Microsoft 365 Copilot hat mir nicht nur geholfen, eine Liste aufzubauen. Sie hat mir geholfen, meine eigene Community-Arbeit mit anderen Augen zu sehen.

Und noch etwas nehme ich mit: Die erste Version muss nicht perfekt sein, der erste Prompt muss nicht perfekt sein, und selbst die erste Einschätzung über die eigene Arbeit muss nicht perfekt sein. Wichtig ist nur, anzufangen. Denn manchmal entsteht aus einer einfachen SharePoint-Liste etwas viel Wertvolleres: ein klarerer Blick auf den eigenen Beitrag zur Community.