Die besten KI-Use-Cases entstehen selten in Workshops oder Strategiepapieren. Sie entstehen im Unternehmensalltag.
Dort, wo Unternehmer unter Zeitdruck Entscheidungen treffen müssen und nach Möglichkeiten suchen, schneller zu Ergebnissen zu kommen.
Genau so begann auch dieser Use Case.
Ein Multiunternehmer, der mehrere Unternehmen führt und dessen Zeit entsprechend knapp bemessen ist, hatte sich über Monate hinweg einen sehr pragmatischen Ansatz für die Erstellung von Marketing-Inhalten aufgebaut.
Dabei nutzte er intensiv Claude Max und Claude Design.
Nicht um Software zu entwickeln.
Nicht um Webseiten selbst zu programmieren.
Sondern um Ideen sichtbar zu machen.
Das eigentliche Ziel war nie die Website
Die Ausgangssituation war überraschend einfach.
Der Geschäftsführer wollte vermeiden, dass interne oder externe Webdesigner an seinen Vorstellungen vorbeiarbeiten.
Wer schon einmal eine Website entwickeln lassen hat, kennt das Problem:
- Die Anforderungen werden beschrieben.
- Die Agentur erstellt einen ersten Entwurf.
- Der Entwurf entspricht nicht den Erwartungen.
- Es folgen Korrekturschleifen.
- Zeit und Budget steigen.
Die eigentliche Herausforderung war also nicht die Entwicklung der Website.
Die Herausforderung bestand darin, die eigene Vorstellung so zu visualisieren, dass andere sie sofort verstehen.
Deshalb begann er mit Claude Design interaktive Mockups zu erstellen.
Nicht nur für Webseiten, sondern beispielsweise auch für:
- Landing Pages
- Blogbeiträge
- Social-Media-Kampagnen
- Flyer
- Marketingmaterialien
- Kampagnenideen
- Inhaltsstrukturen
Die Ergebnisse sahen bereits erstaunlich realistisch aus und ermöglichten es ihm, seine Ideen wesentlich präziser zu kommunizieren.
Dann fiel eine strategische KI-Entscheidung
Parallel dazu wurde in einem seiner Unternehmen eine strategische Entscheidung getroffen:
Künstliche Intelligenz sollte zukünftig auf Basis von Microsoft Copilot eingeführt werden.
Grund hierfür waren die schon aufgebaute Unternehmenssicherheit, Konsolidierung von KI, Vereinheitlichung der Tools für den besseren Wissenstransfer und Abschaffung von Schatten KI.
Dazu gehörten sowohl Copilot Basic als auch Microsoft 365 Copilot Business.
Seine erste Reaktion war nachvollziehbar:
„Das, was ich mit Claude Design mache, kann Copilot doch gar nicht.“
Deshalb bat ich ihn lediglich um 30 Minuten seiner Zeit.
Mein Ziel war zunächst nicht, etwas zu demonstrieren.
Ich wollte verstehen:
- Welche Daten nutzt er?
- Welche Ergebnisse entstehen daraus?
- Welche Arbeitsweise hat sich bewährt?
- Welches Problem löst er damit eigentlich?
Nach zwei Minuten war der eigentliche Use Case klar
Bereits nach kurzer Zeit wurde deutlich:
Der Use Case war nicht Webseitenentwicklung oder etwas Komplexes.
Der Use Case war Kommunikation.
Der Geschäftsführer wollte seine Vorstellungen so visualisieren, dass andere Menschen sie verstehen.
Dafür benötigte er:
- klickbare Oberflächen
- ansprechende Designs
- responsive Layouts
- moderne Navigation
- interaktive Elemente
Kurz gesagt: Er benötigte Mockups.
Der erste Test mit Microsoft 365 Copilot
Während unseres Gesprächs habe ich parallel einen ersten Test durchgeführt.
Die Aufgabe war bewusst einfach formuliert.
Copilot sollte:
- Eine responsive Marketing-Seite erstellen.
- HTML, CSS und JavaScript erzeugen.
- Interaktive Elemente integrieren.
- Mouseover-Effekte und Navigation berücksichtigen.
- Das Ergebnis so strukturieren, dass es direkt im Browser geöffnet werden kann.
Anschließend folgte ein zweiter Versuch.
Statt einer klassischen Dateistruktur sollte Copilot das Ergebnis als Copilot Page bereitstellen.
Das Resultat war in beiden Fällen sehr überzeugend.
Der Geschäftsführer konnte:
- die Oberfläche direkt betrachten
- durch die Navigation klicken
- das Verhalten testen
- Varianten vergleichen
- seine Ideen weiterentwickeln
Genau das war sein Ziel.
Nicht fertigen Code erzeugen. Verständnis erzeugen.
Hier liegt aus meiner Sicht der entscheidende Punkt.
Viele Diskussionen rund um generative KI konzentrieren sich auf erzeugten Code.
Dabei geht es in diesem Szenario um etwas völlig anderes.
Der Geschäftsführer benötigt keine produktionsreife React-Anwendung.
Er benötigt auch keine fertige Website.
Er benötigt ein Ergebnis, das seinem Webdesigner zeigt:
„Genau so stelle ich mir die Seite vor.“
Je realistischer dieses Mockup ist, desto weniger Interpretationsspielraum bleibt.
Und desto weniger Abstimmungsschleifen entstehen später im Projekt.
Warum dieser Use Case besonders interessant ist
Aktuell beschäftigen sich viele Unternehmen mit HTML-Dashboards für:
- SharePoint-Listen
- Excel-Dateien
- Reporting-Daten
- Auswertungen
Das ist cool. Aber in der Realität liegen die Daten nicht in strukturierter Weise vor.
Oder es gibt keine Excel-Sheet, bzw. SharePoint Listen die die Daten überhaupt enthalten die dargestellt werden sollen.
Klar kann das Copilot auch inzwischen übernehmen.
In vielen mittelständischen Unternehmen ist der unmittelbare Nutzen jedoch oft deutlich größer, wenn Führungskräfte ihre Ideen schneller visualisieren können.
Denn gerade Geschäftsführer, Abteilungsleiter oder mittleres Management haben häufig:
- wenig Zeit
- viele parallele Themen
- mehrere externe Dienstleister
- hohe Kommunikationsaufwände
Jede vermiedene Schleife spart wertvolle Zeit.
Genau deshalb halte ich diesen Use Case für deutlich praxisnäher als viele technische Demonstrationen.
Der eigentliche Vorteil liegt in Microsoft 365
Mindestens genauso spannend wie die Mockups selbst war jedoch die Frage:
Wo entstehen diese Ergebnisse eigentlich?
Bisher entstand alles in einem privaten Umfeld.
Mit privaten Accounts.
Außerhalb der Unternehmensplattform.
Außerhalb der bestehenden Governance-Strukturen.
Mit Microsoft 365 ergibt sich ein anderer Ansatz.
Die erzeugten Arbeitsergebnisse können direkt in SharePoint abgelegt werden.
Anschließend lassen sich externe Webdesigner oder Agenturen kontrolliert einbinden.
Beispielsweise über:
- Gastzugriffe
- Berechtigungsgruppen
- Freigaben auf Bibliotheksebene
- dokumentierte Zusammenarbeit
Die Zugriffskontrolle verbleibt dabei im Unternehmen.
Ebenso Themen wie:
- Governance
- Compliance
- Aufbewahrung
- Lebenszyklusmanagement
- Berechtigungsverwaltung
Die Informationen befinden sich im eigenen Microsoft-365-Tenant und nicht in einer weiteren Insellösung außerhalb der Unternehmenssteuerung.
SharePoint wird zur Wissensbasis für Marketing
Noch spannender wird der Ansatz, wenn Unternehmen ihre Marketing-Arbeitsergebnisse strukturiert verwalten.
Eine SharePoint-Dokumentbibliothek kann beispielsweise Inhalte nach Metadaten organisieren:
- Kampagne
- Zielgruppe
- Branche
- Produkt
- Designstil
- Kanal
- Status
Dort können verschiedene Artefakte gespeichert werden:
- Mockups
- Bilder
- CI-Richtlinien
- Textbausteine
- Landing-Page-Konzepte
- Social-Media-Entwürfe
- Kampagnenideen
Mit der Zeit entsteht dadurch eine zentrale Wissensbasis für Marketing.
Und genau diese Wissensbasis kann Copilot künftig nutzen, um neue Mockups konsistenter und zielgerichteter zu erzeugen.
Im Übrigen können wir ab diesem Punkt auch automatisierungen einbauen.
- Bereitstellen freigegebener Marketingmaterialien für Sales
- Bereitstellen freigegebener Vorlagen und Bilder für die Mitarbeiter
- Automatische Überprüfungsschleifen mit Erinnerung nach x Monaten
